Harms: Das Herz der Stadt

25.11.2010

CDU-Landespolitiker will Gardeleger Bahnhog wieder in die Diskussion bringegn

uwe harms
Hannelore von Baehr und Gerd Kraushaar zeigten gestern Minister Karl-Heinz Daehre 2.v.l. im Schein ihrer Taschenlampen den Palmensaal im Bahnhof. Mit in den Saal gekommen waren eine Mitarbeiterin des Ministeriums sowie Viola Winkelmann und Günter Hoop.

Der Ort war bewusst gewählt: Der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Harms (Klötze) will den
Gardeleger Bahnhof wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Und deshalb hatte
er für gestern Bauminister Karl-Heinz Daehre just dorthin gelotst, damit Daehre im maro-
den Ambiente der Bahnhofshalle Förderbescheide übergibt. Nicht an die Stadt, nicht für den
Bahnhof – Harms wollte nur die Bühne nutzen, um dort, "wo das Herz einer Stadt schlägt",
auf die Situation des Bahnhofes aufmerksam zu machen.

Gardelegen. Die Lage ist klar: Der Stadtrat hat wiederholt abgelehnt, sich in die Sanierung
des Bahnhofes einbinden zu lassen. Mit Fördergeld war vor Jahren der Bahnhofsvorplatz
saniert worden – doch das Bahnhofsgebäude erschien dem Rat mangels möglicher Nach-
nutzung nicht geeignet, um dort städtisches Steuergeld zu investieren.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Harms aber will das fast 140 Jahre Gebäude neu be-
leben. Ein Ministerbesuch schien ihm bestens geeignet, die Idee öffentlich zu machen.
Bauminister Karl-Heinz Daehre fand die Fördermittelübergabe für einige Projekte im Alt-
markkreis (siehe Kalbe-Seite) im historischen Ambiente eine "tolle Idee". "Es ist ja Jahr-
zehnte her, dass ich das letzte Mal hier war", bekannte Daehre, der in den 60er Jahren
einige Wochen in Gardelegen gelernt hatte. Ja, sagte der Minister, "es ist wichtig, dass
wir an Orte gehen, wo wir denken, da muss was passieren". Und für die Zukunft, "müs-
sen wir uns was einfallen lassen", man müsse mit Bahn und Stadt sprechen, "dass sich
der Bahnhof entwickeln muss". Ja, sagte Daehre: "Der Bahnhof ist kein Aushängeschild."
So, wie der Bahnhof jetzt aussehe, bekämen Besucher ja gleich "den ersten Schock",
wenn sie nach Gardelegen kommen würden.

Harms hörte das gern: "Wir wollen mehr Entwicklung." Derzeit würden etwa 400 Reisende
täglich den Bahnhof nutzen, hatte Ingrid Nagel-Kagelmann zuvor erklärt, die seit sieben
Jahren den Fahrkartenschalter betreut. Gardelegen wolle langfristig Mittelzentrum werden,
sagte Harms: "Dafür brauchen wir einen Bahnhof als Verkehrsknotenpunkt." Was genau
mit dem Bahnhof passieren soll, sagte Harms nicht. Das soll "mit den Fahrgästen gefun-
den werden". Mit denen will er eine Umfrage machen und sich dann "gemeinsam an die
Aufgabe machen". Das, blickte Harms voraus, werde eine "längere Diskussion" werden.

Dass gestern extra zur Unterstützung seiner Pläne die beiden Stadträte der Freien Liste,
Hannelore von Baehr und Ulrich Damke, mit dem Architekten Gerd Kraushaar in den Bahn-
hof gekommen waren, schien den Christdemokraten zu freuen. Nach einer Führung durch
die stockdunkle einstige Mitropa-Gaststätte und den Palmensaal – spärlich erhellt nur
durch zwei kleine Taschenlampen von Hannelore von Baehr und Gerd Kraushaar, betonte
Daehre dann aber, dass "eine Nachhaltigkeit da sein muss": "Ich muss Mieter haben, um
das alles zu verwalten und zu erhalten." Daehre weiter: "Wenn Sie ein nachhaltiges Kon-
zept haben, können wir uns gern weiter darüber unterhalten." Dann sei auch eine Unter-
stützung des Landes möglich.


Von Baehr erinnerte an die "kostengünstige Studie der Nasa" und an das Angebot der
Deutschen Bahn, den Bahnhof an die Stadt zu verkaufen: "Doch der Stadtrat hat sich ve-
hement dagegen ausgesprochen", bedauerte von Baehr: "Der Rat hat Nein gesagt, das
ist ja das Problem."

Daehre bezeichnete später die Vorstellung, Gardelegen könnte Mittelzentrum werden, als
"Vision", ließ aber den "ungebrochenen Optimismus" von Harms "so stehen, wie auch der
Bahnhof seit einiger Zeit steht".

Ein Gardeleger CDU-Entscheidungsträger stieß erst beim nächsten Besuchspunkt Daehres,
dem Wobau-Haus an der Hopfenstraße, zum Gast aus Magdeburg. Hartmut Krüger hatte
bewusst auf eine Teilnahme am Bahnhof verzichtet: Er hält von Harms‘ Plänen nämlich
überhaupt nichts.

Doch Harms hat vermutlich noch andere Unterstützer. Die Zichtauer Ortsbürgermeisterin
Astrid Läsecke zum Beispiel und Bürgermeister Konrad Fuchs, der schon bei den Rats-
sitzungen für die Sanierung des Bahnhofes war. Läsecke jedenfalls nutzte die Sitzung
des Sozialausschusses am Dienstagabend, um das Thema Bahnhof erneut in die Dis-
kussion zu bringen. Gerade zum Sachsen-Anhalt-Tag sei der Bahnhof nicht gerade ein
Aushängeschild. "Nicht nur baulich gesehen. Er ist einfach dreckig und schmutzig. Der
Bahnhof muss wieder ein Thema der Kommunalpolitik werden", befand Läsecke. SPD-
Stadträtin Erika Olbrich fand ebenfalls deutlichere Worte. "Die Durchgänge sind eklig.
Die Fenster zugenagelt mit Holz. Wenigstens eine Reinigung müsste dort mal erfolgen",
sagte Olbrich. "Wir werden die Bahn auffordern, ihr Grundstück zu reinigen und in Ord-
nung zu bringen", sagte Fuchs. Eine Reinigung zum Landesfest durch die Stadt käme
nicht in Frage. "Das machen wir bei Privaten schließlich auch nicht", so Fuchs weiter. An-
sonsten sei das Thema Bahnhofssanierung für ihn erledigt, nachdem er zweimal im
Stadtrat damit gescheitert sei. "Wir haben uns sogar einen Rüffel eingeholt, weil die
Verwaltung das Thema ein zweites Mal in den Rat gebracht hat. Es tut mir leid, da wird
nichts passieren", sagte Fuchs. Und irgendwelche Pläne, das Gebäude zum Landesfest
zu verhängen, lehne er ab. "Es ist keine Schande, Schandflecken zu zeigen, zumal die
schönen Stellen überwiegen", so Fuchs.

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